Sanierung von Orgelelektriken

Erneuerung/Sanierung veralteter, nicht mehr VDE-konformer Orgelelektriken!

Per gesetzlicher Definition gehört eine Orgel mit einem elektrischen Winderzeuger zur Gattung der Elektrogeräte. Somit greifen allerdings auch für Orgeln mit einem elektrischen Winderzeuger alle für Elektrogeräte geltenden Vorschriften.

Leider entsprechen in vielen älteren Orgelwerken die Stromversorgung und die Verkabelungen der verschiedenen elektrischen Orgelkomponenten in vielfacher Hinsicht nicht mehr den jeweils aktuell geltenden VDE- oder brandschutztechnischen Vorschriften.

Entgegen einer allgemein vermuteten Annahme ist zu beachten, daß es keinen Bestandsschutz für existierende Altanlagen gibt. Der Betreiber (meist die jeweilige Kirchengemeinde) ist für den ordnungsgemäßen Zustand seines Elektrogerätes verantwortlich und muß daher nach Kenntnisnahme eventueller Mängel für Abhilfe sorgen. Auf Grund dieser Tatsache ist dieses Thema vor einigen Jahren speziell auf Grund haftungstechnischer Fragestellungen bei den entsprechenden Institutionen verstärkt in den Fokus gerückt.

=>Siehe hierzu auch die Informationen des Bund Deutscher Orgelbaumeister

Die vielen Vorschriften jetzt im Detail darzulegen wäre nicht zielführend. Daher haben wir Ihnen einige wichtige Informationen in einem Merkblatt zusammengestellt.

Merkblatt „Veraltete Elektroinstallationen“ pdf

 

Die am häufigsten anzutreffenden Mängel sind:

▪ veralteter, nicht kurzschlußsicherer Orgeltrafo
=> im Falle eines Kurzschlusses könnten die primärseitigen 400V auf die Sekundärseite durchschlagen.
Moderne Netzgeräte müssen den so genannten nach SELV (Safety Extra Low Voltage) und PELV (Protective Extra Low Voltage) definierten Schutzmaßnahmen (sichere Trennung von Primär- und Sekundärseite) entsprechen.

▪ zu gering dimensionierte und aus dem falschen Material gewählte Sammelleiterschienen
=> das allgemein über viele Jahre hinweg im Orgelbau verwendete Material Messing hat einen gegenüber Kupfer wesentlich höheren Leitungswiderstand und ist daher in den meisten Fällen im Querschnitt zu gering gewählt.

▪ das Fehlen einer Kurzschlußabsicherung
=> bei den meisten älteren Orgeln findet man in den elektrischen Verkabelungen der Orgelsteuerungen keinerlei Sicherungselemente, die bei einem Kurzschluß für eine entsprechende Stromflußunterbrechnung sorgen. Ein solches Absicherungssystem muß zwingend nachgerüstet werden.

 

Beispielbilder erfolgter Sanierungsarbeiten

Grundsätzlich ist es richtig und zweckmäßig die Verkabelung einer neuen Orgel mit modernen Serienbauteilen aus der Industrie, wie zum Beispiel aus dem Maschinenbau zu realisieren.

Beispiel für eine Ton- und Registersteuerung einer neuen Orgel

 

Beispiel für eine Stromversorgung bei einer Orgel mit Frequenzumrichter für den Winderzeuger

 

Auch bei entsprechenden Elektro-Sanierungsarbeiten im Zuge einer Ausreinigung oder einer Generalsanierung wird empfohlen Materialien aus der momentanen Praxis zu verbauen.

Beispiel für eine elektronische Koppelsteuerung als Ersatz für die vorherige elektro-mechanische Anlage

 

Beispiel für den Einsatz von Elektronik anstelle der alten elektro-mechanischen Abreißer-Kästen

 

Eine  Neuverkabelung im Zuge eines Restaurierungsprojektes stellt jedoch eine zusätzliche, besondere Schwierigkeit dar. In einem historischen Orgelwerk wirken moderne Materialien meist fremd und unschön.
Ziel ist es meist die Optik der neuen Orgelsteuerungskomponenten und Verkabelung in allen Details möglichst nahe am Original zu fertigen und trotzdem sämtliche geltenden Vorschriften einzuhalten. Die folgenden Bilder zeigen die Umsetzung am Beispiel der Sauer-Orgel (1938) in der Epiphaniaskirche in Köln-Bickendorf. Unterstützt und begleitet wurden wir bei diesem Projekt von Dipl.-Ing. Thomas Kroll.

Neue Magnete mit Funkenlösch-Varistoren und neuer Sammelleiterschiene aus Kupfer mit Isolierunterlage

 

Beispiel Selenscheiben: sie altern und sind zwingend zu ersetzen

 

Anstelle der alten Selenscheiben-Konstruktion wurde hier eine neue denkmalverträgliche Diodenkonstruktion angefertigt. Die Funktion ist identisch und die Optik ist bewußt in Anlehnung an die der Selenscheiben gewählt.

 

Blick von hinten auf einen elektrischen Spieltisch mit alter Selenscheibentechnik und offener Verkabelung.

 

Denkmalverträgliche neue Diodenmatrix in konventioneller Bauart für einen historischen Spieltisch

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