Traktursysteme

Das Komponisten für Orgelliteratur den Orgelbauern in der Bauweise ihrer Instrumente gewisse Anregungen geben oder gar Vorschriften machen, liegt in der Natur der Sache und nichts Neues. Aber speziell die Kompositionen der Neuzeitlichen Orgelmusik fordern eine völlig neue Herangehensweise im Orgelbau, da scheinbar nicht zu realisierende Wünsche und Ideen an die Orgelbauer herangetragen werden. Aber der Orgelbau stellt sich erfolgreich diesen Wünschen.

Ein einfacheres Beispiel sind die manualinternen und manualübergreifenden Koppelsysteme. Der über viele Jahrzehnte immer gleich gebliebene  Gebrauch und Einsatz der Koppeln hat sich vielfältig geändert und kann die Disposition einer Orgel um eine nahezu unbegrenzte Klangfarbevielfalt bereichern. Auch auch viele andere Dinge, wie zum Beispiel Windabschwächungen, frei programmierbare „Second-Touch-Funktionen“, Loop-Systeme oder auch die variable Schaltzeitpunkt-Programmierung der Tastenkontakte sind Themen bei der Planung moderner Orgelanlagen.

Realisiert werden diese für den Organisten neuen Ausdrucksmöglichkeiten durch den heute möglichen Einsatz von frei programmierbarer Steuerelektronik. Immer häufiger sind diese Systeme im Orgelneubau zu finden, aber auch bei umfassenden Orgelsanierungen oder Reorganisation sind sie regelmäßig anzutreffen.

 

verschiedene Traktursysteme im Detail

Zülpich St. Peter

Im Zuge einer umfassenden Reorganisation der Orgel wurde auch ein neuer elektrischer Spieltisch konzipiert. Aufgabe war, den Spieltisch in seiner Grunderscheinung möglichst einfach und so auch für jedermann direkt verständlich bedienbar zu halten. Die vielfältigen Funktionen wurden daher bis auf wenige Ausnahmen über ein Touch-Display zur Verfügung gestellt.

Frei programmierbare Koppeln oder andere Sonderfunktionen können auf 5 verschiedene Registerwippen mit einem selbst zu beschriftenen Display gelegt werden. So können diese Funktionen auch in der Improvisation einfach genutzt werden.

Hier finden Sie eine nähere Beschreibung der Möglichkeiten dieses Traktursystems.

Kyoto, Doshisha Junior / Senior High School

Bei der Orgel in Kyoto handelt es sich um ein Instrument mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur. Trotzdem besitzt sie zwei elektrisch gesteuerte Intervall-Koppeln (Manual III und Pedal). Über eine, in Form einer Klaviatur dargestellten, Druckknopfreihe ist es möglich, die Intervalle oder auch die entsprechende Mixtur-Zusammenstellung im Direktzugriff anzuwählen. So ist diese Funktion auch sehr gut für die Improvisation zu nutzen.

Aber auch Schlagwerke wie ein Carillon oder ein Marimbaphon sowie andere Zusätze können durch ein über ein Touchdisplay zu bedienendes Traktursystem den Manualen zugeordnet werden. Hinzu kommen weitere Möglichkeiten wie zum Beispiel eine Loop-Funktion oder auch eine Windabschwächung über einen Balanciertritt.

 

 

 

Bernkastel-Kues, St. Briktius

Der Spieltisch für die Orgel in Bernkastel-Kues, St. Briktius arbeitet mit verschiedenen Touch-Displays, um so die verschiedensten Dinge immer im direkten Blick und im Direktzugriff zu haben.