Neumünster, ev.-luth. Anscharkirche

 

— Reorganisation — 

 

In der evangelisch-lutherischen Anscharkirche in Neumünster befindet sich eine Walcker-Orgel aus dem Jahr 1951. Das von der bekannten Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg erbaute Instrument verfügt über 39 klingende Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal.

Im Jahre 1975 wurden auf Grund technischer Mängel die pneumatischen Windladen von der Firma Alfred Führer aus Wilhelmshaven ausgebaut und durch neue, elektrisch traktierte Schleifladen ersetzt. Der Spieltisch wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls erneuert.

Im Rahmen einer umfassenden Reorganisation wird das Orgelwerk durch Weimbs Orgelbau technisch überarbeitet, klanglich erweitert und für die kommenden Jahrzehnte zukunftssicher aufgestellt.

Die Fertigstellung ist für den Herbst 2026 geplant.

 

 

Reinigung und Schimmelbeseitigung

Das gesamte Orgelwerk ist stark verschmutzt und in Teilbereichen von Schimmel befallen. Daher werden sämtliche Bauteile sorgfältig gereinigt und die betroffenen Bereiche fachgerecht behandelt.
Ein im Inneren der Orgel vorhandenes, nicht mehr funktionsfähiges Luftbefeuchtungssystem wird vollständig und ersatzlos ausgebaut.

 

Modernisierung der Orgelelektrik und Traktursysteme

Die bestehende Orgelelektrik entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen an den Brand- und Personenschutz und wird deshalb grundlegend saniert. Auch die Schleifenzugmotoren der elektrisch traktierten Schleifladen sind verschlissen. Sie werden durch moderne und zuverlässige Schleifenzugmagnete ersetzt.

Sowohl das Schwellwerk als auch das Positiv befinden sich in jeweils einem Schwellkasten. Die Schwelljalousien werden bislang durch elektropneumatische Stufenapparate bewegt. Diese werden ausgebaut und durch elektronisch gesteuerte Getriebemotoren ersetzt, die eine präzise und stufenlose Steuerung ermöglichen.

 

Überarbeitung des Spieltisches

Der Spieltisch der Walcker-Orgel wird vollständig überarbeitet. Das seitlich angebrachte Steuerpult der bisherigen vierfachen Setzeranlage wird entfernt. An seine Stelle tritt ein modernes Traktur- und Steuerungssystem, das den heutigen technischen Anforderungen entspricht und den Organisten eine komfortable Bedienung mit vielen neuen Funktionen ermöglicht.

Erneuerung der Windversorgung

Sämtliche Windbälge der Orgel werden neu bespannt. Da die vorhandenen Stoßfänger nicht optimal arbeiten, wird auch dieser Bereich der Windanlage technisch überarbeitet.
Das Schwellwerk und das Positiv erhalten jeweils einen neuen Stoßfängerbalg mit Abschaltschieber. Beim Einschalten des jeweiligen Tremulanten wird der zugehörige Stoßfänger dadurch automatisch außer Funktion gesetzt. Die beiden vorhandenen Tremulanten werden durch neue Auslasstremulanten ersetzt.

Der bisherige Winderzeuger ist ein sehr altes, zu schwach dimensioniertes Modell. Sein Gehäuse besteht aus Holz; der ursprünglich auf der Welle angeflanschte Generator ist nicht mehr vorhanden.
Der neue Winderzeuger verfügt über ein deutlich größeres Fördervolumen. Mithilfe eines Frequenzumrichters erhält er zusätzlich eine stufenlose Winddrosselfunktion.

 

Klangliche Erweiterung der Walcker-Orgel

Bereits beim Bau der Orgel im Jahr 1951 waren auf den Windladen alle technischen Vorkehrungen für vier zusätzliche Register getroffen worden. Zwei dieser bislang unbesetzten Registerplätze werden nun genutzt.

Folgende klangliche Erweiterungen / Veränderungen sind vorgesehen:

Nasard 2 2/3′ im Schwellwerk
Progressio 2–3fach im Schwellwerk
Erneuerung der Posaune 16′ im Pedal
Rücken und Ergänzen der Trompete 4′ im Pedal um zwölf Töne zu einer Trompete 8′

Durch die neuen Register wird insbesondere das Schwellwerk um charakteristische Solostimmen, zusätzliche Klangfarben bereichert. Die zur Trompete 8′ erweiterte Pedalstimme stärkt das klangliche Fundament des Instruments.

 

Nachintonation und klangliche Neugestaltung

Nach Abschluss der technischen Arbeiten wird das gesamte Pfeifenwerk sorgfältig nach- und teilweise umintoniert. Die klangliche Ausarbeitung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Organisten der Anscharkirche, Herrn Sven Thomas Haase.

Ziel der umfangreichen Orgelsanierung ist es, den eigenständigen Charakter der historischen Walcker-Orgel zu bewahren und zugleich ihre technische Zuverlässigkeit, klangliche Vielfalt und musikalische Ausdruckskraft nachhaltig zu verbessern.

 

einige Impressionen aus der Bauphase