Firmengeschichte

 

600 Jahre Orgelbau

Ca. 600 Jahre Orgelbau in der Eifel lassen sich aus dem Dunkel der Geschichte bis zur heutigen Zeit verfolgen. Wie die alten, zum Teil heute noch bestehenden Adelsfamilien schon in der Frühzeit politischen und kulturellen Einfluss am kaiserlichen Hof und den angrenzenden Königreichen nahmen, so beeinflussten aus der Eifel stammende Orgelbauer den früheren Brabanter Orgelbau, dessen Verbreitungsgebiet sich bis Friesland und Schleswig erstreckte.

1437

Die wenigen mit Namen bekannten Orgelbauer jener Zeit übten eine rege Reisetätigkeit aus, über die uns die durch Kriege und Plünderungen in der Eifel rar gewordenen historischen Unterlagen Auskunft geben. So wissen wir, daß in den Jahren 1436-1437 die Orgel der Pfarrkirche zu Mayen/Eifel durch Peter Briesger aus Koblenz erneuert wurde. Erst ab 1711 begann, belegt durch Standes- und Kirchenbücher, die Tradition des Eifeler Orgelbaus, der sich ungebrochen bis in die heutige Zeit fortsetzt:

1711

1711 - 1735 Balthasar König, Bad Münstereifel, ab 1735 in Köln,
  er selbst wie auch seine Söhne arbeiten bis 1780 in der Eifel
1735 - ca.1770 Johann Odendahl, (Schwiegersohn Königs), Bad Münstereifel
1770 - 1780 Peter Kemper, (Schwiegersohn Odendahls), Bad Münstereifel
1802 - 1921 Gebrüder Müller, Reifferscheid (Hellenthal)
1921 - 1926 Gundling, Reifferscheid (Hellenthal)
1927 - dato Weimbs, Hellenthal

1927                                          josef-weimbs-der-aeltereFirmengründer
Josef Weimbs d.Ä.

Schon Vater und Bruder von Josef Weimbs d.Ä. arbeiten Ende des 19. Jahrhunderts als Orgelbauschreiner bei den Gebrüdern Müller in Reifferscheid. Die überregionale Bedeutung der Gebrüder Müller zeigt sich darin, daß noch 113 Orgelbauten aufgezählt werden können, welche sich vom Gebiet der Eifel über den Köln-Bonner Raum und über den Aachener Raum bis in das Grenzgebiet von Belgien, den Niederlanden und Luxemburg erstreckt. Die baulichen Merkmale der Müller-Instrumente spiegeln eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Progressivität wider, die am Ende des 19. Jahrhunderts in der Pneumatik und dem Bau der Kegellade endet. Josef Weimbs d.Ä. absolviert in Reifferscheid von 1900 bis 1905 eine Lehre als Orgelbauer und arbeitet anschließend als Stimmer und Intonateur bis 1913. Die Werkstätten der Gebrüder Müller sind folglich mit der Entstehung von Weimbs Orgelbau in Hellenthal in direktem Zusammenhang zu sehen. Von 1914 bis 1926 arbeitet Josef Weimbs d.Ä. bei verschiedenen anderen Orgelbaufirmen und gründet 1927 eine eigene Werkstatt. Sein erster Orgelneubau entsteht für die Hellenthaler Pfarrkirche St. Anna.

Schon bei diesem Instrument zeigt sich sein eigener Stil, der sich vor allem durch freizügige Prospektgestaltung und größere Registerzahl der Werke bemerkbar macht. Dies gilt besonders für das Pedalwerk. Bauten die Gebrüder Müller häufig nur ein angehängtes oder knapp besetztes Pedal, so findet man bei Josef Weimbs d.Ä. regelmäßig ein gut disponiertes und voll ausgebautes Pedalwerk. Schon nach sehr kurzer Zeit steht Weimbs Orgelbau auf festem Grund und hat einen guten Ruf, der über das Gebiet Schleidens und der Eifel weit hinaus reicht.

 

1957

josef-weimbs-der-juengereJosef Weimbs d.J.Nach dem Tode des Firmengründers im Jahre 1949 übernimmt sein Sohn Josef (1916-2005) den Betrieb. In den 1950er Jahren gehen, wie schon in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, aus der Orgelbauwerkstatt Weimbs eine Reihe bemerkenswerter neuer Instrumente hervor, die zumeist, dem damaligen Stil entsprechend, mit elektrischen Trakturen ausgestattet sind. Seine Meisterprüfung legt er schließlich am 15. Juni 1957 ab.

 

alte-werkstatt2. von links Josef Weimbs d.J. rechts: Friedbert Weimbs

 

 

In besonderem Maße stellt Josef Weimbs d.J. sein Können unter Beweis, als es in den1960er und 1970er Jahren immer häufiger darum geht, historisch wertvolle Instrumente zu erhalten, zu restaurieren, zu rekonstruieren und, entgegen dem um diese Zeit üblichen Brauch, in ihrer Substanz unverändert zu belassen. In der Werkliste sind über 80 Restaurierungen alter Orgeln verzeichnet, von denen vor allem die umfangreichen Arbeiten an den großen König-Orgeln der Basilika des Klosters Steinfeld und der Schloßkirche in Schleiden ihrer überregionalen Bedeutung wegen an erster Stelle zu nennen sind.

 

1973

Friedbert WeimbsFriedbert Weimbs
copyright: Ruhl
Mit Ablegen der Meisterprüfung am 03. November 1973 steigt der Sohn des Firmeninhabers, Friedbert Weimbs, in das Unternehmen ein. Als Intonateur hat er sich einen guten Ruf erarbeitet, und zum Ansehen des Unternehmens beigetragen. Eine langjährige Erfahrung im Bereich der Mensuration und Intonation – der Berechnung und klanglichen Gestaltung der Orgelpfeifen – zeichnet Weimbs Orgelbau aus. Friedbert Weimbs setzt sich dafür ein, die Qualität der Intonation noch weiter voranzutreiben. So wird, zum Beispiel, zu Beginn der 1980er Jahre die kaufmännisch günstigere Werkstatt-Vorintonation aufgegeben und fortan ausschließlich im Kirchenraum intoniert. Nur so kann auf die akustischen Eigenarten eines jeden Raumes optimal reagiert werden.

 

 

1998

Friedbert Weimbs Sohn Frank absolviert im Schwarzwald eine Ausbildung zum Orgelbauer. Nach weiteren zusätzlichen Qualifikationen in den Folgejahren legt er am 11. September 1998 seine Meisterprüfung ab. Seit dem obliegt ihm die technische und kaufmännische Geschäftsführung. Zusammen mit seinem Vater Friedbert führt er die Orgelbauwerkstatt Weimbs nun in die vierte Orgelbauergeneration.

2000Frank Weimbs Landrat Günter Rosenke Dr. RüttgersFrank Weimbs (Mitte) beim Besuch des Landrates Günter Rosenke und dem ehemaligen Ministerpräsidenten von NRW Dr. Jürgen Rüttgers

Eine der ersten Herausforderungen von Frank Weimbs ist die Umstrukturierung der Firma. Durch den Umzug des gesamten Unternehmens in die neuen Räume "Im Kröpsch" in Hellenthal werden seit dem Jahre 2000 im Hinblick auf die wachsenden handwerklichen, technischen als auch die größenmässigen Anforderungen im Orgelbau optimale Voraussetzungen geschaffen.

 

2005

Josef Weimbs d.J., der Sohn des Firmengründers, stirbt 2005 im gesegneten Alter von 89 Jahren.

2010

Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung. Im September 2010 wird die vorhandene Pfeifenwerkstatt um eine eigene Gießerei und Pfeifenmanufaktur erweitert, deren Leitung zu Beginn der renommierte Pfeifenmacher, Toni Käs, übernommen hat. Seitdem werden in der Werkstatt Weimbs neue Metallpfeifen sowohl für die eigenen Projekte als auch für Kollegen gefertigt.

2012

Bereits seit vielen Jahren ist die Intonationsausbildung ein besonderes Anliegen von Friedbert Weimbs. Talentierten, jungen Orgelbauern wird die Kunst der Intonation und Harmonisation von Klängen und Klangbildern weitervermittelt. So ist es ihm gelungen, dieses Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Wichtig ist ihm immer, daß der Intonateur nicht seinen Stil kopiert, sondern den Klang und die Harmonie fühlt und entsprechend agiert. Seit 2012 sind von ihm ausgebildete Intonateure eigenverantwortlich im Hause Weimbs tätig. Friedbert Weimbs ist seither in der glücklichen Lage als Chefintonateur neben eigenen Projekten auch als wichtiger Berater für den Nachwuchs zur Seite zu stehen.

2015

Auch wenn der Orgelbau ein Kunsthandwerk ist, sind wir doch gezwungen in der Produktion mit der Zeit zu gehen. So haben wir uns im Jahre 2015 entschlossen unseren Maschinenpark um ein mordernes CNC-Bearbeitungszentrum zu erweitern. Ziel dieser Anschaffung waren nicht etwa Rationalisierungsmaßnahmen verbunden mit einem möglichen Wegfall von Arbeitsplätzen sondern vielmehr eine Anpassung an moderne Fertigungsmethoden. Zu Beginn der Nutzung haben wir uns darauf beschränkt, die neuen Windladen zu fräsen, doch mit der Nutzung des Bearbeitungszentrums entwickeln sich immer wieder neue Ideen für andere Anwendungsmöglichkeiten. Durch die mittlerweile so vielfältig eingesetzte Maschine war es uns erstmals möglich, einen neuen, behindertengerechten Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Dieser Arbeitsplatz wurde dann auch umgehend mit einer CNC-Fachkraft besetzt.

Rückblick und Ausblick

In den letzten Jahren wurden gleichermaßen technisch und musikalisch interessante Orgelneubauten erstellt, so z. B. die "Max-Reger-Gedächtnisorgel" (III/53) der evangelisch-lutherischen St. Michaelskirche zu Weiden i.d. Oberpfalz oder auch die neue Barock-Orgel (II/26) für die Abteikirche St. Nikolaus in Brauweiler. Im Jahre 2015 wurde die neue Weimbs-Orgel (II/31) in der Marienkirche in Bergen (Norwegen) feierlich ihrer Bestimmung übergeben.

Nach den in der Fachwelt anerkannten Restaurierungen der König-Orgeln in der Schloßkirche zu Schleiden und der Basilika zu Steinfeld sorgen auch die jüngeren Restaurierungen, zum Beispiel der Stahlhuth-Orgel in Bedburg-Kirchherten oder der Voltmann-Orgel in Wehlen (Mosel) oder auch der Walcker-Orgel in Köln-Bickendorf für Aufmerksamkeit.

In den letzten beiden Jahrzehnten entsteht auch verstärkt Nachfrage nach Erweiterungen oder Neuorganisationen vorhandener Orgeln mit entsprechender Um- oder Neuintonation. Auf diesem Sektor haben die Projekte in Halle (Saale), Propstei St. Franziskus und St. Elisabeth, in Recklinghausen, St. Paulus oder auch in Aachen-Brand, St. Donatus für viel positive Resonanz gesorgt.

Zum Anspruch der heutigen Orgelbauwerkstatt gehört auch eine rückhaltlose Offenheit gegenüber den in Europa gewachsenen Orgellandschaften, die u.a. in Orgelneubauten im italienischen Stil und einer Orgel im spanischen Stil ihren Beleg finden. Instrumente im französischen Stil und klassischer deutscher Manier entstammen ebenfalls dem Hause Weimbs und begründen den heutigen Ruf des Unternehmens weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus. So ist zum Beispiel für 2017 die Fertigstellung der neuen Weimbs-Orgel in der Doshisha - Senior und Junior Highschool in Kyoto (Japan) im Auftragsbuch notiert.